Mundartgedichte

von Uleike

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Handwerker

 Es nervt — es nervt furchtbor, i kriag boid an Håß,

es is auf a Maunsbüld, bei Gott, ka Verlåß.

Då nimmst da aus Einsicht eh scho kann eigern´n

daun tuan da de aunder´n nu d´Oabeit verweigern.

Du brauchst a Firma, — host an Haushoit

du woart´st auf den Hackler doch dabei wirst oid.

Håt er koa Zeit, kunnt er åbsåg´n — doch des tuat er vermeid´n

weu sunst kennt er dir den Tåg net so richtig verleid´n.

Vielleicht faungerst jå wås aunders aun,

åba so hängst de gaunz´n Tåg draun.

Du passt hin und du passt her,

auf d´nåcht begreifst: — heit kimmt er nimmermehr.

Aum next´n Tåg ruafst in da Firma aun:

wo bleibt denn eigentle der guate Maun?

Se tuan eam vateidig´n, haun kräftig aum Putz,

und nehman den Norrntuam daun aa nu in Schutz.

Se vasprech´n dir heilig, du raufst dir de Hoar,

den next´n Termin nimmt er sicherlich woahr.

Doch waun du glaubst: jetzt wird de Såch meglich,

daun håst di täuscht, du woart´st wieder vergeblich.

Und waun er daun kimmt — bestimmt aun an Tåg

wo`st net mit eam rechnest — nur weul er gråd måg.

Schaust eam daun zua, wiara si´de Finger verbiagt,

denkst da: in dera Zeit hätt´i a Lehr´ fertigkriagt.

Du gehst auße, du kaunst eam net zuaschaun

und stockst.weust hearst: — ´s geht hoit doch net ohne Maun.

I måch an Seufzer — des gibt mir den Rest,

im next´n Leb´n wir i a Maun — so vül steht fest!

Hilfe

 Des woar vielleicht a Tåg,

ana von de, de i goar net måg.

I gib zua, i kenn mi aum Computer net aus,

åba de, de da hölf´n, probier´n araglei aus.

Du sågst eana nu: — des håt Zeit,

åba se manan des haumma glei und san schon bereit.

Se klick´n wia de Wüld´n in deine Programme herum,

du stehst daneb´n und schaust nur dumm.

Se tan da neiche Möglichkeit´n installier´n,

dabei kriagst nedamoi de oid´n ins Hirn.

Du siachst eana aun, daß aa nix wiss´n,

daun nennans dein Computer nu ohne Gewiss´n

a oid´s Klumpat und nu vül mehr,

und reiß´n aun deine Nerv´n hin und her.

Daneb´n queng´ln de Kinder und haun da wås z´saum,

net meine ——´s san de wås mitbråcht haum.

Irgendwaun sans fertig und hearn auf

und såg´n: “Jetzt håst vül bess´re Såch´n drauf.“

I wirf nur gaunz schüchtern ein:

„Wo find i denn meine oid´n Datei´n?

Des neiche Programm, des hülft ma net,

waun der oide Inhoit net zur Verfügung steht.“

Oba se schaun di nur gaunz trotzig aun,

und manan: “Für wen håb´ i denn des ålles taun?

Doch nur für di, damitst da leichta tuast,

damitst net sovül umanaundklick´n muaßt.

Des wås do drin woar,woar eh nur Mü´,

jetzt håst wenigst´a gaunz neiches Spü´.“

Mit vül Zeitaufwaund håb i ´s daun checkt

und de oid´n Programme zum Leb´n erweckt.

Oba waun mi nu moi wer b´suacht –  net ums Verreck´n

låß i s´aun mein Computer — den werd i versteck´n.

Kaufrausch

 I bin gaunz kribblert, weul i wås wüll,

i muaß ma wås kauf´n, håb i des G´fühl.

 Scho´ håb i des Börs´l in meiner Haund,

mir steht da Sinn nåch an neich´n G´waund.

Werd´ in d´ Stådt foahr´n, damit i duat suach,

aum best´n i kaaf ma aa neiche Schuach.

Weu waun i weit foahr, daun war i jå bled,

waun des net glei´ in an Aufwåsch´n geht.

Waun i mi jetzt unter d´Leit begib, sollt i mi vorher nu kultivier´n,

Näg´l schneid´n, schmink´n und nu g´scheit frisier´n.

De Hoar, de schau´n aus, es is a Malheur,

Aum g´scheidan war´s i geh´ aa zum Friseur.

Nu g´schwind in d´Trafik um mein Lottogewinn,

sicher is aa nu wås für an Kaffeehausb´suach drin.

I håb de Türschnoll´n scho´ in da Haund,

då schreit mei Schwester: “Woart nu an Raund.

Dei´ Boiler, der schaut komisch aus,

då kummt unt´n sovül Wåsser ´raus.“

I geh ins Bod, mi trifft a Fontäne,

de Frisur is jetzt gaunz weg, nur daß i´´s erwähne.

Wo is de Nummer vom Installatär?

Wåsser nu åbdrah´n, daun muaß er her.

Er håt aa Verständnis und kummt wirkle g´schwind,

kaun´s åba aa net verhindern, daß der Boiler zur Gänze ausrinnt.

Er sågt ma: “Der håt sei´Schuldigkeit ´tau´,

sie brauch´n an neich´n, gnädige Frau.“

Bei eam in da Firma kriag´n ma den glei´,

mir bleibt zum Schluß nur de Sauerei.

I bin rechtschoff´n miad, g´oarbeit´ håb i heit gnua´,

—den Erlågschein schickt er ma zua.

Doch denk i: I bin doch vom Glück verfolgt in mein Leb´n,

i håb mir jå g´wunsch´n vül Göld auszugeb´n!

 

Frühlingserwachen

I kaun des Frühjoahr goar net erwårt´n

i wüll endlich wieder auße in Goart´n

waun de Vogerl zwitschern und de Baame blian

für meine Gefühle werd i mi net scheniern

doch d´Wirklichkeit schaut aunders aus

bei Gott—es is der woahre Graus´

de Nåchbarskinda schrei´n und plärrn

de Foahrrodglock´n is net z´üwerhearn

i wüll mei Ruah — geh hoit spaziern

in de Natur — i wüll sie g´spiern

siach de Vogerl wias de Saumen nåschn

a naa — des is a G´sunheitsdrinkflåschn

i geh wieda ham — griaß in Nochbarn nur schnöll

er sågt “scheen is des Frühjoahr — göll?“

i setz mi ins Zimma und tua les´n

wia scheen is doch der Winter g´wes´n

 

Kindheitstraum

 Wås is dei´ greßta Wunsch ois Kind?

Erwåchs´n wer´n wüllst — und des g´schwind!

Daun derfst endlich tuan wåst wüllst — muaßt kan mehr fråg´n

Entscheidungen triffst sölba — kana håt dir wås zum såg´n!

Freiheit haßt des Zauberwort — aun des Du deine Träume hängst,

waun du groß bist håst sie daun — des is des wås du dir denkst.

Ungebunden und spontan, des is´s wonåch der Sinn dir steht,

du kummst schier um vor Ungeduld, weu de Zeit so laungsaum geht.

In de Enge treib´n di´ ålle Leit,

woahrscheinle haum s´ vergess´n eana eig´ne Kinderzeit.

Waun i amoi sölbst Kinder håb, wird des ålles aunders sein,

ans des waß i gaunz genau: i red´ sicher moi neamd drein.

„Des kaunst du net“, såg´n s´ zu de Klanen,

„des derfst du net“, is des wås manen.

Weu s´ Aungst haum, daß du wås verpåtzt,

und aundre såg´n daun:--„so a Fråtz“.

Auf de Oart kaun  a Kind nix lernen,

waun s´ ålle Schwierigkeit´n eam entfernen.

Heit bin i scho´ längst erwåchs´n,

de Kinderschuach scho´ laung entwåchs´n.

Kaun i heit des tuan, des wås i mecht?

Heit bin i vom System der Knecht!

Eingeengt bin i tågtäglich,

ohne Regeln is a Leb´n net meglich.

Muaß aufpass´n wås i so tua,

håb d´Verauntwortung jetzt nu dazua.

Då trågt ma schwer — kaun s´ kam daheb´n,

mecht s´ oft so gern wem aundern geb´n.

Probier ´s aa maunchmoi daun mit schimpf´n,

worüber d´aundern d´Nås´n rümpf´n.

Mei Oarbeit bleibt ma gaunz allane,

niemaund sågt: de oarme Klane.

Aa de Zeit vergeht so g´schwind,

oft war ´s ma recht : i war a Kind.

Doch waun i draun denk, daß i von vurn aunfaung,

då wird´s ma plötzlich doch gaunz baung.

Drum gib i ´s auf  irgend a Zeit zu vermiss´n,

und werd de Tåge, de kumman, gaunz anfåch geniess´n.

Irgendwås kaun jeder

 I wünschert ma so sehr Talent,

daß i irgendwås gaunz b´sunders kennt.

 Maunche Mensch´n kennan singa,

aund´re låss´n Instrumente klinga.

Maunche Meister ihres Fåchs,

büld´n Kunstwerke aus Wåchs.

Maunche fertigen Skulptur´n,

aundere verstengan si´ auf Uhr´n.

Maunche entwerf´n tolle Möb´ln,

wieder aund´re zähmen Löw´n.

Maunche kennan so guat mål´n,

daß aundare dafür wås zåhl´n.

Nur mir fållt absolut nix ein,

wås kennt für aund´re wertvoll sein.

Nur Mittelmåß, ka b´sund´re Gåbe

—und ned amoi Ideen håbe.

I wollt´ i kenntat wenigst´ns guat liag´n,

daun kennt i aund´re dazua kriag´n,

daß s´ wenigst´ns a Zeit laung glaub´n,

daß meine Künste aa wås taug´n.

Weu richtig leb´n is hålt nur meglich,

waunst gnuag Göld håst—und des täglich.

So wia i bin, kaun i nur probier´n,

von meiner Dummheit z´profitier´n.

Nur wauns Dumme gibt, de åll´s vergess´n,

kaun ma d´G´scheitheit von aundare mess´n.

Daun kennans mi gern åls Vergleich aunfiahn,

wauns den Beweis mit Göld honoriern !!

Vüül Leit zåhl´n gern, daß wer laut sågt :

eana Intelligenz bleibt unüberrågt.

Dabei fållt ma åber auf,

scheinbår håb i do wås d´rauf.

Weu waun i auf de Årt Göld verdien,

zagt jå des— wia guat i bin.

Das lange Leben

  Laung woar des Leb´n — laung gnua

waun sie drüba nochdenkt, daun hätt´s scho boid gnua

 Doch in Wirklichkeit is sie nu net oid

des täuscht nur — wauns an net gfoit

Waun sie so zruckschaut, daun pockt sie der Zurn

wos hob i auf dera Wölt valurn ?

Und plötzlich do gneißt sie´s : es woarn de Joahre

De i net g´nutzt hob — des is net des Woahre

Und es gibt ihr der Zurn so vü Energie,

daß sie sogt : i wird 100 , a wos — i stirb nie

Ewiges Leben

 Woarum hängt der Mensch aum Leb´n ?

Ois kenntat´s goar nix Besser´s geb´n.

Wo doch von vurnherein gaunz kloar is,

daß nix ohne Ende is.

Wer håt jemois scho betrauert,

daß a Kinofülm net ewig dauert.

Waun er aus is, schaut ma si den next´n aun

und find´t vielleicht nu mehr Gfoin draun.

Oder nimm an Oarbeitståg,

wo des Ende jeder måg.

Åber aa scheene Såch´n san amoi aus,

im Zirkus de Nummern — und aa der Applaus.

Doch gibt´s ka Bedauern waun der Beifoi verstummt,

weul ma gaunz genau waß, daß der nexte kummt.

Wer håt eigentlich den Spruch formuliert,

daß des wås nåchkummt net besser wird?

Waun jemaund an Rekord aufstöllt,

håt er doch den letzt´n in Schått´n g´stöllt.

Wås hindert oiso den Mensch´n draun,

voll Zuversicht den Tod zu schaun.

Aa wauns såg´n, daß s´eana Dåsein frist´n,

versuach´ns den Sensnmaunn zu überlist´n.

Daneb´n entgeht eana dabei,

daß´s nåchher kennt vüü scheena sei´.

Mehr Dinge gleichzeitig zu leist´n,

mißlingt uns Mensch´n doch den meist´n.

Drum an Neustart, wo si´ois zum Guatn wendet,

håt nur, wer ois Aund´re vurher beendet.

Ohne Föhler gelingt auf Aunhieb nix recht,

drum san mehr Versuche jå goarnet so schlecht.

Deshoib is´s guat, daß ma mehrere Leb´n håt;

Tät ans ewig dauern, war´s direkt schåd.

Geburtstagsrede für die Hausfrau

Vieradreißig Joahr bin i scho då

Und eigentli bin i gaunz froh,

daß mei Leb´n so is wia es is,

weu waun da  aund´re dazöhn, daß ois scheen is —´s is ois nur a B´schiß

i håb mein Buam, den i recht måg

i håb mein Maun, der is a Plåg

i håb mei Oarbeit, de nia ausgeht

waun wer wås wüll,- find i a Ausred

I håb meine G´schwista, de aun mi denk´n

Und mir zum Gebuatståg nedmoi wås schenk´n

I håb meine Eltern, de san goa weit fuat

Wer waß für wås guat is,--wia vastengan uns guat

i leb mei Leb´n gråd wia i kaun

ob´s leichta war- ohne Maun ?

Maunchmoi fråg i mi des

Oba net eam,-- weu sunst is er bes

´s gibt hoit Såch´n de ma net wü´´

oba kana håt g´sågt des Leb´n is a Spü´

D´rum vaturi mit nåchdenkn goa net vü Zeit

In Hinkunft måch i des wås mi g´freit

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